Mehr als Lebensmittelversorgung, Tante Hanna ist ein Einkaufserlebnis

Feierlich eröffnete Tanta Hanna in Müden. Foto: Gebers
Feierlich eröffnete Tanta Hanna in Müden. Foto: Gebers

Eröffnung des Dorfladens Tante Hanna in Müden

FASSBERG. Was lange währt, wird endlich gut. Das zeigt sich auch bei Tante Hanna. Am Donnerstagabend war es nach langer Vorbereitung endlich soweit - der Dorfladen Tante Hanna in Müden öffnete seine Tore.

Zu diesem Ereignis hatten die Gesellschafter und Geschäftsführer der Tante Hanna GmbH sowie die Verwaltung der Gemeinde Faßberg alle Interessierten eingeladen, um die Räumlichkeiten, die Mitarbeiter und das Angebot von Tante Hanna kennenzulernen.

Als Ende 2014 der Lebensmittelmarkt in Müden schloss, hatte sich schon eine Arbeitsgruppe vom Verkehrsverein Müden e.V. gegründet, um das Thema Lebensmittelversorgung selbst in die Hand zu nehmen. In intensiven Vorarbeiten erstellten die Akteure einen Wirtschaftsplan für einen Lebensmittelmarkt in Eigenbetrieb der Dorfgemeinschaft. Sie prüften und fanden Lösungen.

Im Jahr 2015 holten die Akteure durch ihr enormes ehrenamtliches Engagement die Gemeinde Faßberg mit ins Boot. Diese würde das Gebäude erwerben und umbauen. Zeitgleich nahmen die Akteure Kontakt auf zum LEADER-Regionalmanagement des Kulturraums Oberes Örtzetal. Schnell war klar: Der Dorfladen Tante Hanna und LEADER, das passt zusammen. „Ein Vorteil der LEADER-Förderung ist, dass sie perfekt auf die Anforderung im Kulturraum zugeschnitten ist“, sagt Stephan Fähndrich von der LEADER-Geschäftsstelle. „Die Förderung von Dienstleistungseinrichtungen zur Grundversorgung ist ein Teil unserer Entwicklungsstrategie.“ Diese hat die Region Kulturraum Oberes Örtzetal 2014 mit Unterstützung seines Regionalmanagements selbst erstellt und sich damit im Landeswettbewerb als LEADERRegion positioniert. So bildet die Strategie seit 2015 die Grundlage, um mit den 2,4 Millionen Euro LEADER-Mitteln, die dem Kulturraum zur Verfügung stehen, Projekte umzusetzen, die der nachhaltigen Regionalentwicklung dienen. Und Tante Hanna dient der Regionalentwicklung.

Auch die Lokale Aktionsgruppe (LAG) der LEADER-Region Kulturraum Oberes Örtzetal, die über die Mittelvergabe entscheidet, war schnell überzeugt von dem gemeinschaftlichen Projekt der Gemeinde und der Bürgerschaft. Ende 2016 gab sie LEADER-Mittel für das Projekt frei und zwar die bis dato höchste Summe: rund 165.000 Euro. Anfang 2017 stellte die Gemeinde Faßberg den Förderantrag beim Amt für regionale Landesentwicklung in Verden als Bewilligungsstelle, Mitte des Jahres lag die schriftliche Bewilligung der Zuwendung vor. Seither hat sich viel getan in Müden.

Eine Gruppe Müdener Unternehmer gründete die Tante Hanna GmbH, die den Markt eigenverantwortlich betreiben wird und hierfür das sanierte Gebäude von der Gemeinde anmieten wird. Um die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit zu erhöhen und auch die Bindung der Bürgerschaft zu ihrem Tante Hanna-Markt zu festigen, warb die Gesellschaft um stille Beteiligungen am Unternehmen. Ziel war es, neben dem von den Gesellschaftern eingebrachten Kapital weitere mindestens 120.000 Euro an stillen Beteiligungen zu erreichen. Der Rat der Gemeinde hatte die Freigabe der Haushaltsmittel für die Sanierung an das Erreichen dieser Beteiligung geknüpft. Zum Jahresende 2017 war dieses Ziel mit stillen Einlagen von über 160.000 Euro mehr als erreicht und der Rat gab die Mittel frei.

Mit dieser Mittelfreigabe war der Startschuss für die Planung und Umsetzung der Sanierungsarbeiten gefallen. Das Bauamt der Gemeindeverwaltung erstellte in enger Zusammenarbeit mit der Gesellschaft und den Fachleuten der REWE, welche auch die zukünftige Belieferung des Marktes übernehmen, die Sanierungs- und Umbauplanungen und bereitete die Ausschreibungen vor. Die ersten Gewerke wurden dann im Frühjahr 2018 ausgeschrieben. Kurz darauf konnten die ersten Aufträge erteilt werden. Nach der „Abrissparty“, einem großen freiwilligen Arbeitseinsatz der Müdener Bevölkerung, bei dem der alte Laden ausgeräumt und die überflüssigen Wände abgerissen und entsorgt wurden, begannen im Frühsommer die ersten Baugewerke mit ihren Arbeiten. Trotz im Laufe der Bauarbeiten auftretender Probleme, wie zum Beispiel der aufgrund des schlechten Zustands des Fußbodens unter den entfernten alten Bodenfliesen und sich daraus ergebender zusätzlicher oder geänderter Arbeiten und zusätzlicher Kostenpositionen, gingen die Arbeiten stetig voran, auch wenn das ursprünglich geplante Ziel der Eröffnung um den Jahreswechsel 2018/19 so leider nicht mehr zu halten war.

Auch die Kosten blieben letztlich nicht in dem ursprünglich vorgesehenen Rahmen, was nicht nur an den erforderlichen Zusatzarbeiten, sondern in großem Umfang auch an den konjunkturbedingten allgemeinen Kostensteigerungen im Baugewerbe lag. Trotzdem waren alle Beteiligten von dem Projekt und seiner Notwendigkeit für den Ort Müden überzeugt. Deshalb beschloss der Rat auch, die für die zu erwartenden und eingetretenen Mehrkosten erforderlichen Haushaltsmittel zur Verfügung zu stellen.

In der Schlussphase der Bauarbeiten war noch einmal die Hilfe der vielen Ehrenamtlichen gefragt. Während des alljährlichen Frühjahrsputzes kümmerte sich eine Gruppe Müdener um die Reinigung der Außenwände von Graffitis sowie um das Aufräumen und Reinigen des Grundstücks in Müdens Ortsmitte. Auch viele örtliche Unternehmen unterstützten das Vorhaben mit Spenden in Form von kostenfrei erbrachten Arbeitsleistungen und trugen so zum Gelingen des Projektes bei.

Die Planungs- und Bauphase war nun also abgeschlossen - ein Hand in Hand von Bürgern, Gemeindeverwaltung und Wirtschaftsunternehmen, aber auch den Akteuren in der LEADER-Region Kulturraum Oberes Örtzetal und den Vertretern des Amtes für regionale Landesentwicklung haben die Nahversorgung im Erholungsort Müden wieder auf die Beine gestellt. Mit Tante Hanna wurde ein Ort geschaffen, der neben dem Einkaufserlebnis auch einen gesellschaftlichen Mittelpunkt bieten wird.