Handwerk fordert schon lange nötige Handlungsspielräume

Hans Peter Wollseifer (links), Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, wurde von Kreishandwerksmeister Ernst-Heinrich Ahrens (rechts) als Gastredner begrüßt. Foto: Müller
Hans Peter Wollseifer (links), Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, wurde von Kreishandwerksmeister Ernst-Heinrich Ahrens (rechts) als Gastredner begrüßt. Foto: Müller

Amtsträgerabend der Kreishandwerkerschaft Lüneburger Heide

CELLE (ram). In Groß Hehlen fand am Montag der diesjährige Amtsträgerabend der Kreishandwerkerschaft Lüneburger Heide statt, zu dem Kreishandwerksmeister Ernst-Heinrich Ahrens als Gastredner Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, begrüßen konnte.

„Die gute wirtschaftliche Entwicklung im regionalen Handwerk bleibt auf hohem Niveau stabil“, berichtete Ahrens. Laut aktueller Herbstkonjunkturumfrage der Handwerkskammer Braunschweig- Lüneburg-Stade habe die Handwerkskonjunktur offenbar den Gipfel erreicht. Es komme nun darauf an, möglichst lange auf diesem zu bleiben. Die Einschätzungen zur aktuellen wirtschaftlichen Situation im Gesamthandwerk seien ähnlich gut wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. In der Region Lüneburg/Celle würden fast zwei Drittel der Handwerksbetriebe ihre Geschäftslage als gut beurteilen. Weitere 29 Prozent als befriedigend. 18 Prozent würden eine bessere Geschäftslage und 17 Prozent eine Verschlechterung erwarten. Der Geschäftsklimaindex liege zwölf Punkte unter dem Vorjahr.

ZDH-Präsident Wollseifer sprach an diesem Abend zum Thema „Das deutsche Handwerk - fit für die Zukunft?“. Für ihn als Rheinländer habe die wichtigste Jahreszeit begonnen: die Karnevalszeit. Keinen Grund zur Ausgelassenheit gebe es aber, wenn man sich anschaue, was derzeit im politischen Berlin los sei. „Das ist eher trübe“, kritisierte er. „Auch wenn sich die Bundesregierung gerade selbst eine blendende Halbzeitbilanz ausgestellt hat.“ Er habe schmunzeln müssen, dass diese sich attestierte, man sei „arbeitsfähig und arbeitswillig“. „Arbeitsfähig und arbeitswillig - das ist die Mindestanforderung, die ich an eine Regierung stelle. Aber das ist kein Grund in Jubelstürme auszubrechen“, so Wollseifer. Wie lange diese Arbeitsfähigkeit der GroKo noch besteht, das könne derzeit leider keiner richtig sagen. Auch sei es ein Problem, dass die Koalitionsparteien im Moment vor allem mit ihrem Spitzenpersonal beschäftigt seien. Bei soviel Personaldebatten bleibe die Sachpolitik leider auf der Strecke.

Bei aller Kritik gehöre Wollseifer aber nicht zu denen, die sagen: „Die in Berlin, die machen nichts.“ Er empfehle einen differenzierten Blick. So könne sich zum Beispiel die vom Bundeswirtschaftsminister vorgelegte Mittelstandsstrategie sehen lassen. Dort ständen eine Menge guter Sachen drin, die der ZDH seit Langem fordere und die dem Handwerk die nötigen Handlungsspielräume, die Luft zum Atmen geben würden. Als Beispiele nannte er den Steuerdeckel, die Anhebung der Ist-Versteuerung und die Anhebung bei der Abschreibung der Geringwertigen Wirtschaftsgüter. „Auf dem Papier klingt das alles toll. Jetzt muss das nur noch angepackt werden“, forderte er.

„Dass diese Regierung Ergebnisse liefern kann, das sehen wir bei der Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Handwerksberufen“, erklärte Wollseifer. „Da sind wir auf der Zielgeraden.“ Wenn diese Wiedereinführung wirklich beschlossen werde, dann wäre das seiner Ansicht nach ein starkes Signal für Qualität und Qualifikation im Handwerk.