Celle

Schulausschussmitglieder berieten über eine „Jahrhundertchance“

Die Stadtverwaltung plant die Altstädter Schule an den Landkreis zu veräußern. Archivfoto: Müller
Die Stadtverwaltung plant die Altstädter Schule an den Landkreis zu veräußern. Archivfoto: Müller

Bewegung in Celler Schullandschaft

CELLE. Im Vorfeld der Sitzung des Celler Schulausschusses am vergangenen Mittwoch hatte die Verwaltung ihre Pläne für Veränderungen in der Schullandschaft vorgestellt. Diesen stimmten dann die Ausschussmitglieder mehrheitlich zu.

„Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“ Das bekannte Zitat des Physikers und Philosophen Georg Christoph Lichtenberg lässt sich wie kaum ein zweites auf das anwenden, was die Stadt Celle mit ihrem jüngsten Programm „Schub für Schulen“, im Sinn hat. Erstmals Anfang Juni öffentlich präsentiert, in zahlreichen Eltern-Informationsabenden, Veranstaltungen mit den Kollegien und Ortsratssitzungen diskutiert, stand das Thema vergangene Woche auf der Agenda des Schulausschusses und soll Ende September vom Rat beschlossen werden.

„Wir haben in allen Celler Schulen einen hohen Sanierungsbedarf“, so Stadträtin Susanne McDowell. „Nun bietet sich die Chance, eine Schule gänzlich neu zu bauen und eine weitere bedarfsgerecht zu sanieren. Damit werden wir auch räumliche Voraussetzungen zur Weiterentwicklung der pädagogischen Konzepte schaffen, die in Verantwortung der Schule liegen.“

Grundlage für den Ratsbeschluss ist eine umfangreiche Beschlussvorlage, in die bis zuletzt die Wünsche und Präzisierungen aus den oben genannten Veranstaltungen eingeflossen sind.

„Wir wollen die Jahrhundertchance für Celle nutzen und unsere Schullandschaft durch Neubau und neue Lernformen stärken“, erklärt McDowell. Dazu soll zum einen die Altstädter Schule an den Landkreis veräußert werden, die Schülerinnen und Schüler künftig in der - mittlerweile durch den Landkreis hälftig leer gezogenen - Blumläger Schule eine neue Heimat finden. Die Grundschule Nadelberg soll ebenfalls an den Landkreis verkauft, die Bruchhagenschule neu gebaut und nach modernen pädagogischen Konzepten umstrukturiert werden und fürderhin alle Grundschulkinder des Ortsteils aufnehmen. Als Mitstreitende kann die Stadt auf die Rektorenkonferenz sowie den Stadtelternrat zählen. Doch der Reihe nach: Die Altstädter Schule: Hier herrscht seit langem Sanierungsbedarf, um das denkmalgeschützte Gebäude für eine dauerhafte Nutzung als Schule zu ertüchtigen. Die dafür erforderlichen rund sieben Millionen Euro werden zur Hälfte durch den Bund gefördert, sodass mit den Maßnahmen voraussichtlich 2021 begonnen werden kann. Da der Landkreis nach dem Brand der Sprachheilschule dringenden Raumbedarf hat, soll das Gebäude an diesen verkauft werden. Die Sprachheilschule könnte dann an ihren ursprünglichen Standort zurückkehren. Dass die Nutzung des Otto-Haesler-Erbes für die Stadt nicht verloren geht und die Altstädter Schule als kultureller Mittelpunkt erhalten bleibt, wird sichergestellt. Die Schülerinnen und Schüler der Einrichtung sollen in die Blumlage umziehen.

Die Blumläger Schule: Da der Landkreis mit der Oberschule zum letzten Schuljahresende ausgezogen ist, ist dort jede Menge Platz, um die Mädchen und Jungen sowie das Lehrerkollegium der Altstadt aufzunehmen. Alles nach dem bewährten Prinzip „Kurze Wege für kurze Beine“, da die Schule innerhalb des Zwei-Kilometer- Radius der Altstädter Schule liegt. Ein weiterer Vorteil: Der Unterricht in den wenig beliebten Schulcontainern entfällt, denn in diese würden die Schüler umziehen müssen, wenn die Altstädter Schule saniert wird.

Die Grundschulen Nadelberg und Bruchhagen: Der Landkreis hat dringenden Raumbedarf für seine Oberschule Westercelle. Da liegt es nahe, diesem das Gebäude zu verkaufen. Im Gegenzug wird die ebenfalls stark sanierungsbedürftige Grundschule Bruchhagen neu errichtet - und das nach modernsten pädagogischen Aspekten. Für Kinder, die künftig die B 3 queren müssen, wird die Verkehrsabteilung ein Sichere-Schulwege-Konzept erarbeiten. Ein erster Vorschlag dazu liegt bereits vor.

Für die Entwicklung und Begleitung - sowohl eines zeitgemäßen pädagogischen Konzeptes für den Grundschulstandort Westercelle als auch für das Zusammenwachsen der Altstädter und Blumläger Schule unter dem Dach der Grundschule Blumlage - bedient sich die Verwaltung eines erfahrenen externen Moderators, der das Vertrauen der Celler Rektorenkonferenz genießt.

An den beiden Prozessen werden die Elternvertretungen und Kollegien beteiligt, um im Sinne der Kinder die bestmöglichen Erkenntnisse in Architektur und pädagogischen Konzepten umsetzen zu können. Begleitet werden sie von der Bau- und Schulverwaltung. Selbstverständlich werden die Ergebnisse mit der Politik rückgekoppelt.

Für den Verkauf von Altstädter Schule und Nadelberg werden rund 17,5 Millionen Euro im Investitionsprogramm veranschlagt.

Die Kostenschätzungen für den Neubau Bruchhagen belaufen sich auf 13,9 Millionen Euro. Eingespart werden hingegen geschätzt rund 7,83 Millionen Euro an Sanierungskosten für beide Einrichtungen (Nadelberg und Bruchhagen).

Für die Zusammenlegung der Grundschulen Altstadt und Blumlage werden Projektkosten in Höhe von 1,9 Millionen Euro prognostiziert, weitere Mittel sind gegebenenfalls bereit zu stellen.

Der Nutzen liegt vor allem auf Seiten der Kinder. Sie erhalten zwei Schulgebäude, in denen die pädagogischen Konzepte der dafür verantwortlichen Schulleitungen und Kollegien weiterentwickelt werden können. Die Stadt ermöglicht dies, indem sie den von den Schulen vorgeschlagenen Berater engagiert und eine enge Abstimmung zwischen Konzepterstellung und Bauplanung vorsieht.

Zudem bieten die beiden neuen Schulen bessere Vertretungsmöglichkeiten.

Nach einer ersten Einschätzung ist der Start für die Sprachheilschule in der Grundschule Altstadt im April 2023, der Start der Altstädter Schule in der Blumlage im August 2021 sowie der Nutzungsbeginn der Grundschule Bruchhagen im August 2024.

„Die Zukunft unserer Schülerinnen und Schüler ist stets ein emotionales Thema. Doch es ist seit langem kein Geheimnis mehr, dass sich in der Celler Schullandschaft etwas ändern muss - und zwar zum Besseren.“ So hat sich Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge von Anfang dem Thema verschrieben, dem Sanierungsstau an Celler Schulen ein Ende zu machen. „Zu einer familienfreundlichen, zukunftsfähigen Stadt gehört auch ein ebensolches Schulsystem. Und damit sind wir mit der Sicherung und Schaffung von eigenen kommunalen Strukturen für lebenslanges Lernen auf dem besten Weg“, weist der Celler Oberbürgermeister in die Zukunft. Entsprechend ist er optimistisch, dass die Politik diesen Weg mitgehen wird - zum Wohle der Celler Schülerinnen und Schüler.