Celle

Öffentlichkeit wird von Wolfs-Lobby mit falschen Daten versorgt

Prof. Hans-Dieter Pfannenstiel. Foto: Müller
Prof. Hans-Dieter Pfannenstiel. Foto: Müller

Fakten zum Thema „Wolf“ vom Biologen Prof. Hans-Dieter Pfannenstiel:

CELLE (ram). Die Zahl der Wölfe in Niedersachsen nimmt rasant zu. Inzwischen wurden 20 Rudel amtlich bestätigt. Der Celler Kurier sprach über die Thematik mit dem Diplom-Biologen Prof. Hans-Dieter Pfannenstiel.

„Der Wolf war bei uns nicht richtig ausgestorben, weil immer Wölfe aus dem Osten eingewandert sind“, erläutert Pfannenstiel. „Zu Zeiten als es die DDR noch gab, war es dort gesellschaftlicher Konsens, dass jeder Wolf erlegt wird. Nach der Wiedervereinigung stand der Wolf plötzlich, wie bei uns in der alten Bundesrepublik, unter Totalschutz. Zu der Zeit ist auch die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU ausgebrütet worden, die auch bei uns in nationales Recht umgesetzt worden ist. Seitdem genießt der Wolf absoluten Schutz. Das ist genau der Zeitpunkt, an dem die Wölfe angefangen haben Rudel zu bilden und sich fröhlich zu vermehren - mit einer generellen Tendenz von Sachsen und Brandenburg in Richtung Nordwesten. Und jetzt sind sie in Cuxhaven angelangt.“

Das Cuxhavener Rudel sei ganz besonders berüchtigt, weil es Kühe von den Weiden in den Sumpf treibe, um diese dort aufzufressen ohne sie umzubringen, schildert Pfannenstiel. Das würden Wölfe übrigens ganz gerne auf großen Weiden machen. Sie verletzen einige Tiere und benutzen sie sozusagen als „Kühlschrank“, da diese nicht weg können. Das habe inzwischen in Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und auch in Niedersachsen Ausmaße angenommen, die man sich einfach nicht mehr vorstellen könne. Es würden manchmal auf einen Schlag 30 bis 40 Tiere auf einer Weide umgebracht. „Die Leute haben es langsam satt“, erklärt er.

Die Zäune würden immer höher, doch das bringe nichts. Pfannenstiel berichtet von einem aktuellen Fall aus Brandenburg, wo ein Wolf über einen zwei Meter hohen Zaun gegangen sei. „Das ist ein ewiges Wettrüsten, und man wird ja auch nicht die gesamte Bundesrepublik einzäunen können. Insofern muss da etwas passieren“, fordert er.

Ein ganz wichtiger Punkt sei laut Pfannenstiel, dass nach der FFH-Richtlinie der Wolf in den so genannten Anhang 4 eingeordnet sei. Das bedeute für diesen absoluten Schutz - aber mit gewissen Ausnahmen, die im Artikel 16 der FFH-Richtlinie festgelegt seien. Danach gebe es zum Beispiel in Schweden etwas, was man „Schutzjagd“ nenne. Wenn ein Wolf irgendwo Schäden verursache, melde der Schäfer oder Bauer das dem Landkreis. Dieser prüfe die Sachlage und ordne eine Schutzjagd an. Die Jäger in diesem Gebiet dürfen dann die Wölfe bejagen und entweder einzelne Wölfe oder das ganze Rudel schießen, bis Ruhe herrsche.

„Und das geschehe in Übereinstimmung mit der EU“, betont Pfannenstiel. „Aber bei uns in Deutschland wird das von verschiedensten Leuten vehement verhindert.“ Und so lange man im Umweltministerium mit Jochen Flasbarth einen Staatssekretär habe, der früher NABU-Präsident war, werde sich daran auch nichts ändern. Dieser kämpfe mit allen Mitteln dagegen an und verhindere jede Initiative. In Brüssel wundere man sich inzwischen, dass Deutschland nicht endlich mal einen Antrag stelle, damit der Wolf von Anhang 4 in den Anhang 5 komme, wo Tiere und Pflanzen nicht so streng geschützt seien. Aber solange solch ein Antrag nicht gestellt werde, könne die EU auch nichts machen. Und die Antragstellung werde vom Staatssekretär verhindert.

„Es ist aus populationsbiologischen Gründen überhaupt nicht einzusehen, warum der Wolf bei uns nicht bejagt werden kann“, erklärt Pfannenstiel. „Das würde der Art überhaupt nicht schaden, denn sie hat den nach der FFH-Richtlinie notwendigen so genannten günstigen Erhaltungszustand längst erreicht.“ In der FFH-Richtlinie stehe, dass es um Populationen gehe. Und eine Population sei nach biologischer Definition eine Gruppe von Individuen einer Art, die potenziell zumindest untereinander kreuzbar seien. Wenn man ein Gebiet habe, in dem 50 Wölfe leben, und die sich alle untereinander fortpflanzen können, dann sei das eine Population. Wenn man genau hinschaue, dann seien mindestens die Wölfe in ganz Mitteleuropa biologisch eine Population.

Es werde immer von 1.000 Wölfen als notwendige Zahl für den günstigen Erhaltungszustand gesprochen, doch Pfannenstiel macht deutlich: „Diese Zahl steht in der FFH-Richtlinie nirgends drin. Das ist ein glattes Märchen. Diese Zahl sei von Biologen mal für Huftiere abgeleitet worden. Die könne man auf den Wolf überhaupt nicht übertragen. „Und das zweite Märchen ist, dass unsere Population den günstigen Erhaltungszustand noch nicht erreicht hätte. Doch das hat sie längst, weil wir gar keine eigene Population haben, sondern es eine europäische Population ist. Die deutschen Wölfe bilden nur einen Wolfsbestand innerhalb dieser europäischen Population. Aber das wird von den Leuten, die dem Wolf am liebsten noch einen Heiligenschein aufsetzen wollen, entweder verleugnet oder falsch dargestellt.“

Wenn man sich anschaue, wo in der EU der Wolf nach Anhang 4 eingeordnet sei und wo nach Anhang 5, dann stelle man fest, dass es ein bunter Flickenteppich sei, obwohl es eine Population sei, erläutert Pfannenstiel. Es gebe vier Länder in der EU, wo der Wolf in einem Land in einer Region in Anhang 4 und in einer anderen in Anhang 5 eingeordnet sei. Daran zeige sich, dass das mit dem Populationskonzept der FFH-Richtlinie überhaupt nichts zu tun habe. Und mit der selben Einordnung wie in Deutschland werde der Wolf in Frankreich, in Schweden, in Finnland und im Baltikum bejagt. Die Balten würden jedes Jahr im Mittel 300 Wölfe schießen, und es schade der Population überhaupt nicht. Aber die Zahl der Übergriffe auf das Weidevieh sei nicht so hoch wie in Deutschland. „Die Öffentlichkeit wird von der Wolfs-Lobby mit falschen Daten versorgt“, kritisiert Pfannenstiel. „Und die Politik ändert nichts, weil sie den Shitstorm von NABU und Konsorten fürchtet.“

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