Celle

Forderung einer Oberstufe an der OBS Winsen rechtlich nicht möglich

Landrat Klaus Wiswe. Archivfoto: Müller
Landrat Klaus Wiswe. Archivfoto: Müller

Landrat kritisiert UWG-Äußerungen zur Schullandschaft im Westkreis

CELLE. Landrat Klaus Wiswe reagiert mit einem offenen Brief an den WG-Vorsitzenden Torsten Schoeps, der auch an die Kreistagsabgeordneten ging, auf die Äußerungen der UWG Winsen (Aller) zur Schullandschaft im Westkreis.

„Die Pläne des Landkreises zur Schulversorgung (auch) im Westkreis sind sicher ambitioniert und erfordern auch den Einsatz erheblicher finanzieller Mittel. Ich bin aber überzeugt, dass dieser Einsatz nötig und zielführend ist und wir den Einwohnerinnen und Einwohnern im Westkreis ein gut durchdachtes und vielseitiges Angebot unterbreiten“, so Wiswe. Wie man dem „Konzept für anstehende Investitionen an den Schulen in Trägerschaft des Landkreises Celle“ entnehmen könne, greife es zu kurz, nur einzelne Projekte und Investitionen separat zu betrachten. Die Investitionen des Landkreises würden ineinander greifen und einander teilweise bedingen. Auch das von der UWG skizzierte Einsparpotenzial von zirka 50 Millionen Euro bestehe nicht.

Mit Errichtung einer gymnasialen Außenstelle beziehungsweise eines Gymnasiums in Hambühren werde keineswegs eine „unnötige Doppelstruktur“ entstehen, erklärt Wiswe. Bei dem vorliegenden Vorschlag der UWGg übersehe diese, dass viele Eltern (zirka 47 Prozen!) ausdrücklich wünschen würden, ihr Kind mit der Aussicht auf Abitur auf die Schulform „Gymnasium“ zu schicken und eben nicht auf die Schulform „Oberschule“. „Diesen Elternwillen können wir nicht ignorieren“, so Wiswe. Ebenso übersehe die UWG die Unterschiede zwischen Gymnasien und Oberschulen, was Wiswe ansatzweise erläutert. Paragraph 10a Absatz 3 Satz 3 des Niedersächsischen Schulgesetzes regele für die Oberschulen beispielsweise folgendes: „Für die Schülerinnen und Schüler des gymnasialen Angebots soll ab dem siebten Schuljahrgang und muss ab dem neunten Schuljahrgang der Unterricht überwiegend in schulzweigspezifischen Klassenverbänden erteilt werden.“ Reine Gymnasialklassen seien dort gesetzlich nicht zwingend vorgesehen. Das neue Angebot der Oberschule Winsen, ab dem Schuljahr 2020/21 ein gymnasiales Angebot ab Klasse 5 anzubieten, sei also freiwilliger Natur und damit nicht dauerhaft verlässlich. An den Oberschulen könnten zudem zwar durchaus auch Gymnasiallehrer unterrichten (meist im Wege der Abordnung), allerdings sei dies keine Voraussetzung, damit an einer Oberschule ein gymnasialer Zweig entstehen kann. Weit überwiegend würden dort Grund-, Haupt- und Realschullehrer. Weiterhin wäre ein Gymnasialzweig an der Oberschule Winsen vor dem Hintergrund des oben beschriebenen Anwahlverhaltens nicht so breit aufgestellt wie ein Gymnasium mit bis zu sechs Zügen, das dann auch eine entsprechende Vielfalt (auch im Ganztag) anbieten könnte. Nur dort wäre nach alledem ein durchgängiges und verlässliches gymnasiales Niveau in allen Fächern ab Klasse 5 gewährleistet.

Der Elternwille und die Aussicht auf die bestmögliche individuelle Schulbildung der Kinder würden es laut Wiswe erforderlich machen, dass neben Oberschulen auch Gymnasien (in nicht zu allzu weiter Entfernung) existieren und angewählt werden könnten. Die Ängste vor Konkurrenzen und Doppelstrukturen seien vollkommen unbegründet. Er fordert die UWG auf nach Hermannsburg und Lachendorf zu schauen. Dort gebe es sogar im gleichen Ort jeweils sowohl ein Gymnasium als auch eine Oberschule (in Lachendorf mit gymnasialem Zweig). Die Erfahrungen würden zeigen, dass dies gut funktioniere und notwendig sei.

Freie Kapazitäten an der Oberschule in Winsen für zusätzliche 300 Schülerinnen und Schüler würden allenfalls bestehen, wenn man die bestehenden Klassen auf die maximale Größe aufstocke, so Wiswe. Freie Räume gebe es nach Auskunft des Schulleiters nicht. „Haben Sie bedacht, wie sich das auf die Qualität des Unterrichts auswirken könnte?“, fragt Wiswe die UWG. „Zudem haben wir für ein Westkreisgymnasium eine Fünfzügigkeit errechnet, also insgesamt 45 Klassen, sodass mit noch weitaus mehr Raumbedarf zu rechnen ist.“

Eine Außenstelle eines Gymnasiums in Winsen, in der dauerhaft nur Oberstufenschüler unterrichtet werden sollen, erscheine vor diesem Hintergrund ebenfalls nicht sinnvoll, so Wiswe: „Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Gymnasium sich dauerhaft zum Betrieb einer solchen Außenstelle bereit erklärte. Bisherige Bemühungen des Schulleiters der Oberschule Winsen in diese Richtung waren jedenfalls erfolglos. Nicht zuletzt hält die Landesschulbehörde Außenstellen eher für Übergangslösungen.“

Recht habe die UWG damit, dass der Landkreis kein neues Gymnasium im Westkreis für zirka 30 bis 35 Millionen Euro bauen müsse. Es bestehe die Möglichkeit, am Gebäudebestand der Schulanlage in Hambühren anzubauen, was zirka 15 Millionen Euro koste. Damit einher ginge der Umzug der Sprachheilschule. „Auch dafür haben wir eine gute Lösung gefunden, indem wir vorgeschlagen haben, von der Stadt Celle die Altstädter Schule zu kaufen“, erläutert Wiswe. „Die 17,5 Millionen Euro sind dabei aber nicht nur für den Kauf der Altstädter Schule, sondern auch für den Kauf der Nadelberg- Grundschule vorgesehen. Der Erwerb der Nadelberg- Grundschule ermöglicht uns die dringend nötige räumliche Erweiterung der Oberschule Westercelle und erspart uns einen auswärtigen Neubau beziehungsweise den Umzug dieser Schule. Allein hierdurch sparen wir einen größeren zweistelligen Millionenbetrag. Die Schülerbeförderung wird stets den aktuellen Erfordernissen angepasst. Richtig ist, dass durch die Außenstelle oder ein Westkreisgymnasium in Hambühren zusätzliche Beförderungskapazitäten durch den Landkreis Celle bereitgestellt werden müssten. Dies wäre aber auch der Fall, wenn eine erhöhte Anzahl von Kindern zum Schulstandort in Winsen befördert werden müsste.“

Die erneute Behauptung der UWG, dass das Niedersächsische Schulgesetz in den nächsten Jahren dahingehend geändert werde, dass auch Oberschulen eine Oberstufe haben dürften, weist Wiswe erneut zurück: „Herr Minister Tonne hat uns bestätigt, dass eine derartige Änderung nicht beabsichtigt ist. Auch der vom Schulleiter der Oberschule in Winsen begehrte Schulversuch zur Oberstufe wird übrigens laut Landesschulbehörde keine Aussicht auf Erfolg haben.“