Celle

Appell an jeden: „Suche den Frieden und jage ihm nach!“

Die St. Georgskirche in der Celler Blumlage. Fotos: Müller
Die St. Georgskirche in der Celler Blumlage. Fotos: Müller

Gedanken zum Neuen Jahr von Dr. Norbert Schwarz

CELLE. Gedanken zum Neuen Jahr kommen von Dr. Norbert Schwarz, Pastor mit mobiler Verwendung im Evangelisch- lutherischen Kirchenkreis Celle, der am Sonntag, 20. Januar, um 10 Uhr in der Blumläger Kirche eingeführt wird:

Mit der Jagd kennt David sich aus. Diese Leidenschaft teilt er mit Herrschern aller Zeiten. Stets ließen Könige und Fürsten sich auf Jagdgemälden abbilden. Das Weidwerk war eine Verrichtung, bei der man seinen Mut und sein Geschick unter Beweis stellen konnte. Ein kapitales Geweih ließ rückschließen auf den, der das Stück erlegte. Er galt als tatkräftig, geübt und stark. Anders ist es, wenn jemand den Frieden zum Gegenstand seines Strebens macht. Das galt nicht als männliche Tugend. Die Sehnsucht nach Frieden ist bei denen am meisten ausgeprägt, die sich ohnmächtig fühlen, die keine Waffen haben und die dem Spiel der Kräfte ausgeliefert sind. „Allein bin ich hilflos, ein Vogel im Wind, der spürt, dass der Sturm beginnt“, singt Nicole in ihrem Hit „Ein bisschen Frieden“.

Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet der Jäger David, der sich rühmt Löwen und Bären überwältigt zu haben, seinen Sinn darauf richtet. In einem kräftigen Appell fordert er: „Suche den Frieden und jage ihm nach!“ Ein Stück weit verständlich wird sein Sinneswandel, wenn man beachtet, in welcher Lage David sich befindet. Auf der Flucht vor dem übermächtigen König Saul, der ihm seine Erfolge neidet und ihm nach dem Leben trachtet, ist er selber vom Jäger zum Gejagten geworden. Tatsächlich speist sein Friedenssinn sich aber nicht nur aus einer momentanen persönlichen Ohnmacht. Der Friede, „Schalom“, ist im hebräischen Denken weit mehr als die Ruhe vor dem Sturm. Er ist die Hoffnung auf ein gerechtes, Feindschaft und Hass überwindendes Miteinander der ganzen Schöpfung. Wer einen Geschmack davon bekommt, dem wird er zum heiß begehrten Objekt. Es lohnt sich, ihm nachzujagen. Dabei ist klar: Er kommt nicht von selbst. Es braucht Geschick, Geduld, Intelligenz und Engagement, um ihn zu erlangen.
Dr. Norbert Schwarz.
Dr. Norbert Schwarz.
Die gute Nachricht ist: Das Handwerk des Friedens kann man lernen. Auf dem Feld der großen Politik und im Privaten. Wer darin ein Meister werden will, muss seine Augen schärfen und wachsam sein wie ein Jäger, muss listig sein. Überraschen. Verblüffen. Das Schlupfloch finden, in einer scheinbar undurchdringlichen Wand, die sich vor einem aufbaut. Ein Gebet, das dem Heiligen Franz von Assisi zugeschrieben wird, reiht die Aktionen auf, die dafür nötig sind: Liebe üben, wo man sich hasst. Verzeihen, wo man sich beleidigt. Verbinden, wo Streit ist. Die Wahrheit sagen, wo der Irrtum herrscht. Glauben bringen, wo der Zweifel drückt. Hoffnung wecken, wo Verzweiflung quält. Licht anzünden, wo Finsternis regiert. Freude machen, wo der Kummer wohnt. - Ein umfangreiches Übungsprogramm. Wer es beherrscht, den kann man mit Fug und Recht stark nennen. Leidenschaft für den Frieden zeichnet für David die wahre Stärke eines Herrschers aus. Ich denke, wir sollten uns von ihm anspornen lassen. In der Jahreslosung für 2019 geht der Appell an einen jeden von uns: „Suche den Frieden und jage ihm nach!“ (Ps 34,15) Eine anstrengende Aufgabe. Vielerorts auf der Welt machen Herrscher im Moment Furore, die Zwietracht schüren und ihre Muskeln spielen lassen. Davon sollten wir uns jedoch nicht abschrecken lassen. Es lohnt sich, zurückzuschauen. Sich zu erinnern, welche Siege mit den Waffen des Friedens bereits erstritten wurden. Es ist an der Zeit, die Geschichte von Friedenshelden statt der von Kriegshelden zu erzählen.„Auf alles waren wir vorbereitet,“ bekannte etwa im Nachhinein ein Vertreter aus dem SED-Zentralkomitee, „nur nicht auf Kerzen und Gebete.“ Zum 30. Mal jährt sich 2019 die friedliche Revolution in der DRR. Sie mündete in Mauerfall und Wiedervereinigung. Begonnen hat sie mit den Friedensgebeten in der Leipziger Nikolaikirche. Lassen wir uns von David anspornen, dem Frieden nachzujagen.

Im Jahr, das vor uns liegt, wünsche ich allen Leserinnen und Lesern auf dieser Jagd eine reiche Beute! Ein friedliches, erfülltes und gesegnetes Jahr 2019 wünscht Ihnen Ihr Pastor Norbert Schwarz.